Indigene Völker Kanadas.

Um das Jahr 1500 nach Christus lebten nach Schätzungen der Anthropologen bis zu 1 Mio. Indianer und Eskimos (Inuit) im Gebiet des heutigen Kanada. Vor allem von Europa eingeschleppte Krankheiten führten zu einem dramatischen Rückgang dieser Zahl auf ca. 100.000 im Jahr 1900. Im Verein mit der seit jeher hohen Geburtenrate ließen die Gesundheitsfürsorge und bessere wirtschaftliche Bedingungen die Zahl nach 1920 wieder ansteigen. Der Zensus von 2006 zählte 1,17 Mio. Angehörige indigener Gruppen, dies entspricht 3,8 % der Gesamtbevölkerung Kanadas. Obwohl sie damit eine relativ große Bevölkerungsgruppe darstellen, sind sie aufgrund ihres weit unterdurchschnittlichen Lebensstandards und der mangelhaften Eingliederung in die Gesellschaft eine Randgruppe. Zwar hat sich die Lebenserwartung in den indigenen Völkern zwischen 1950 und 1969 verdoppelt, liegt aber immer noch weit unter dem Durchschnitt der Weißen. Die Arbeitslosenrate ist bei Angehörigen der indigenen Völker weit höher als der landesweite Durchschnitt. In der Altersgruppe der unter 40-jähigen sind Unfälle, Selbstmorde und Alkoholismus die häufigsten Todesursachen.

Seit einiger Zeit gibt es Ansätze, daß die politische und wirtschaftliche Benachteiligung und die jahrhundertelange Bevormundung der Ureinwohner ein Ende findet. In der kanadischen Verfassung wurden 1982 ihre Rechte als erste Besitzer des Kontinents offiziell anerkannt. Nicht zuletzt dieser Schritt hat das Selbstbewusstsein der Urbevölkerung gesteigert, die sich in der jüngeren Vergangenheit wieder verstärkt ihren alten Traditionen und ihrer Kultur zugewandt haben, ein sichtbares Zeichen sind die hochwertigen Kunstwerke. In den Northwest Territories, wo Inuit und Dene-Indianer die Mehrheit der Bevölkerung stellen, zeichnen sich erste Erfolge der neuen Politik ab. Die Regierung Kanadas entsprach der Forderung der Bevölkerung nach weitreichender Selbstverwaltung und unterteilte die Territories in zwei Teile, eine Inuit- und eine Dene-Region. Um den Nutzen von den auf ihren Gebieten liegenden Bodenschätzen allein zu haben, streben manche Inuit und Dene sogar den Provinzstatus an. Es wäre ein ermutigendes Zeichen, wenn sich ihre Vorstellungen verwirklichen würden.