Volksgruppen und Sprachen Kanadas.

Die beiden größten und ältesten Volksgruppen, deren Beziehungen zueinander sich nach jahrhundertelangen Streitigkeiten heute langsam zu normalisieren scheint, sind die Anglo- (25 %) und Frankokanadier (24 % der Gesamtbevölkerung). Danach folgen mit weitem Abstand die ethnischen Gruppen der Deutschen (5 %), Italiener (3 %) und Ukrainer (2 %). Außerdem ist fast jede Volksgruppe der Welt in Kanada vertreten, von A wie Australien bis Z wie Zypern.

Das offizielle Motto der kanadischen Regierung für eine Politik des Nebeneinander der zahlreichen ethnischen Gruppen heißt seit 1971 „Multikulturalismus“. Kultureller Pluralismus wird als wichtigster Bestandteil der Identität Kanadas verstanden. Man verzichtet auf Assimilierungsversuche, der einzelne soll in die Gesellschaft integriert werden und zugleich seine alte Kultur bewahren. Besonders in den größeren Städten werden die Traditionen und Feste der ethnischen Gruppen gefördert. Gleichberechtigung und gegenseitige Toleranz sollen alte Spannungen zwischen Anglo- und Frankokanadiern, zwischen Alteingesessenen und Neuankömmlingen abbauen. Zwar gab es nie blutige Rassenunruhen, aber noch vor wenigen Jahrzehnten waren starke Vorurteile etwa Chinesen, Polen, Ukrainern und Indern gegenüber weit verbreitet.

Sei dem Official Language Act (1969) ist Kanada offiziell ein zweisprachiges Land. In der Politik und im öffentlichen Leben werden Englisch und Französisch gleichberechtigt genutzt. 61 % der Bevölkerung besitzt Englisch als Muttersprache, 26 % Französisch. Das Kanadische Englisch ist in Aussprache und Schreibung noch weitaus britischer als das südlich der Grenze in den USA Gesprochene. Zeitungen, Bücher, Radio und Fernsehen verwischen diese Unterschiede jedoch zusehends. Nur in entlegenen Regionen Newfoundlands haben sich unter Fischern bis heute alte englische Dialekte erhalten, wie sie zur Zeit Shakespeares gesprochen wurden.