Großlandschaften Kanadas.

Kanada kann man sich als riesiges Becken vorstellen: die Prärien und das Hudson-Bay-Tiefland bilden den Boden; die Kordilleren und die Innuitian Range hoch im Norden, die Berge Labradors und die Appalachian Mountains sind die Ränder des Beckens. Nur im Süden fehlt die Begrenzung, hier schließen sich die Ebenen an das Mississippital an. Sieben Großlandschaften lassen sich unterscheiden:

Die Appalachen-Region umfasst die Atlantikprovinzen, Newfoundland als geologische Fortsetzung der Appalachen und Quebec südlich des St. Lawrence-River. Das sehr alte und stark erodierte Mittelgebirge (teilweise mit Höhen über 1.000 m) bestimmt den hügeligen Charakter des Binnenlandes. Die buchtenreiche, felsige Küstenlinie ist in Halbinseln und Inseln zersplittert. Die Tätigkeit eiszeitlicher Gletscher und Wassererosion haben auf kleinem Raum eine Vielfalt von Landschaftsformen geschaffen. Im Vergleich zu der Weite anderer kanadischer Regionen fühlt man sich stark an Europa erinnert.

Das St.-Lawrence-Tiefland ist ein schmaler Landstreifen von der Mündung des gleichnamigen Flusses in den Atlantik bis zu den Great Lakes in Südontario. Das kambrische, sedimentäre Grundgestein dieser Region wurde während der Eiszeiten von fruchtbaren Lehm- und Sandablagerungen überdeckt, die vor Besiedelung durch den Menschen dichte Wälder trugen. Nur im Osten unterbrechen die Montegeregian Hills die Ebene, eine alte, einst vulkanische Hügelkette, zu der der Mont Royal im Zentrum der Großstadt Montreal gehört. Im Westen zieht sich die Geländestufe des Niagara Escarpment, die einstige Uferlinie eines urzeitlichen Meeres, von der Niagara Peninsula bis zum Lake Huron.

Der Kanadische Schild, der sich wie ein riesiges Hufeisen um die Hudson Bay legt, ist die größte (4,7 Millionen km², rund die Hälfte des Staatsgebietes von Kanada) und bedeutendste Landform Kanada. Das präkambrische Eruptivgestein und die metamorphen Gesteine des Schildes sind bis zu 3,6 Milliarden Jahre alt und gehören damit zu den ältesten geologischen Formationen der Erde. Vor allem Gletscher der Eiszeiten haben diese Regionen geprägt: Berge wurden zu flachen Granitkuppen abgeschliffen, zahllose Seen entstanden. Nur im Osten ist der Kanadische Schild noch gebirgig. Beginnend mit den Hügeln der Laurentides in Quebec steigt die Fläche nach Nordosten hin stark an und erreicht in den Torngat Mountains von Labrador (1.000 m) und den Bergen auf Baffin Island (2.500 m) ihre größten Höhen.

Das Hudson-Bay-Tiefland, ein 320.000 km² großes Sedimentbecken im Herzen Kanadas, wird vollständig vom kanadischen Schild umschlossen und zum größten Teil von der Hudson Bay bedeckt. Nur am Süd- und Westrand der Bucht reicht das Becken in sumpfigem, seenreichen Flachland über den Wasserspiegel. Das große Gewicht der eiszeitlichen Gletscher drückte die Region unter das Meer. Seit ca. 7.500 Jahren hebt sie sich wieder, und zwar um 60 cm in 100 Jahren.

Die Großen Ebenen sind die natürliche Verlängerung der Prärien in den USA. Ihre besonders im südlichen Teil sehr fruchtbaren Sedimentböden gehen auf riesige eiszeitliche Seen zurück, z.B. den noch vor 6.000 Jahren bestehenden Lake Agassiz im Gebiet des heutigen Manitoba. In drei abgegrenzten Stufen, den Prairie Steps, steigen die Ebenen von Ost nach West von 300 m bis 1.500 m an.

Die Kordilleren-Region westlich der großen Ebenen ist Teil des geologisch jungen Gebirgssystems, das die gesamte Westküste des amerikanischen Doppelkontinents durchläuft. Zahlreiche Plateaus unterbrechen die Gebirgslandschaft. Die starken Verwerfungen und die große Vielfalt der geologischen Schichten gehen auf die Kontinentalverschiebung zurück: Verschiedene tektonische Platten streiften an der nordamerikanischen Festlandplatte entlang, erzeugten Spannungen und gaben Teile ihrer Gesteinsformation ab. Die großen Gebirgszüge verlaufen parallel zur Küste in einem durchschnittlich 800 km breiten Band nach Nordwesten. Die herausragende Bergkette sind die Rocky Mountains, die sich unvermittelt aus den Grossen Ebenen erheben. Der höchste Gipfel Kanadas, der Mount Logan (5.959 m), liegt jedoch in einem anderen Teil der Kordilleren, in den Wrangell-St.Elias Mountains, der Fortsetzung der Coast Mountains im äußersten Nordwesten.

Der Arktische Archipel im hohen Norden Kanadas besteht aus einer 1,3 Millionen km² großen Inselgruppe (vorwiegend Sedimentgestein), die von zahlreichen großen Meeresarmen zergliedert wird. Im Südteil erheben sich nur flache Landrücken aus dem Polarmeer, während auf den großen Inseln im Norden und Osten, z.B. auf Ellesmere Island, bis zu 2.000 m hohe vergletscherte Bergketten verlaufen.

Allen Küsten vorgelagert ist ein flacher, maximal 200 m tiefer Meeresgrund, das Festlandschelf. Vor Newfoundland ragt der Kontinentalrand bis zu 700 km in den Atlantik hinaus, dort liegen die reichsten Fischgründe der Welt.