
Das Klima Kanadas.
Kanadas Lage in den gemäßigten bis arktischen Breiten, die Ozeane an seinen Grenzen und die kontinentale Landmasse bestimmen sein Klima. Der größte Teil des Landes besitzt typisches Kontinentalklima mit trockenen, heißen Sommern und sehr kalten Wintern, die bereits im Süden gut fünf Monate dauern und nach Norden hin immer länger werden. Nur im Einflussgebiet der Ozeane werden die Extreme gemildert, das Wetter ist wechselhaft und feucht. Sämtliche besiedelte Regionen des Landes liegen in der Westwindzone, so daß die Hoch- und Tiefdruckgebiete von West nach Ost über Kanada wandern. Da die großen Bergketten in Nord-Süd-Richtung verlaufen, kann im Winter arktische Kaltluft ungehindert nach Süden und über die Grenze hinaus bis weit in die USA vordringen. Umgekehrt kommt es im Sommer häufig vor, daß tropisch heiße Luft aus dem Golf von Mexiko bis nach Zentralkanada gelangt.
Interessanterweise ist das Klima der Atlantikprovinzen eher kontinental als atlantisch. Dies liegt daran, daß die vorherrschenden Westwinde die Warm- und Kaltluftmassen aus dem Inneren des Kontinents zur Ostküste transportieren. Häufige Einbrüche von feuchter atlantischer Luft gestalten das Wetter wechselhaft und niederschlagsreich. Im Frühjahr verschleiern große Nebelbänke die Küsten von Newfoundlad und Nova Scotia.
Das Tal des St. Lawrence und das Gebiet der Great Lakes kann man als feuchtkontinentale Zone beschreiben. Besonders in Südontario macht sich der befeuchtende, ausgleichende Effekt der Great Lakes bemerkbar und gestaltet die Winter mild und schneereich, die Sommertage oft schwül-heiß.
Nördlich davon dehnt sich das breite Band der Subarktis von der Küste Labradors durch ganz Kanada bis zu den Kordilleren aus. Hier herrscht ausgeprägtes Kontinentalklima, das durch die nördliche Lage auf zwei Hauptjahreszeiten reduziert wird. Nach einem über sechs Monate dauernden, bitterkalten Winter folgt schnell das rauschhaft kurze Frühjahr; gut drei Monate heißer Sommer, dann färben sich die Blätter für wenige Wochen zu einem Meer von Farben – danach liegt das Land wieder unter einer weißen Decke.
Noch extremeres Kontinentalklima findet man in den südlichen Prärien, die im Regenschatten der Rocky Mountains nur sehr wenig Niederschläge erhalten. Wenn sie fallen, dann in Gewittern während des heißen Sommers oder in Schneestürmen im Winter, den gefürchteten Blizzards. Bei den Wintersportlern Südalbertas ist der Chinook unbeliebt: dieser schnee- und eisfressende Fallwind lässt die Temperaturen in wenigen Stunden um bis zu 20 °C steigen.
In den Kordilleren herrscht ebenfalls noch kontinentales Klima vor, das nach Westen hin milder und feuchter wird. Da sich die vom Pazifik kommenden Wolken an den Westflanken der Berge abregnen, erhalten diese drei- bis zehnmal höhere Niederschläge als die jeweiligen Ostflanken. Mildes, nahezu frostfreies Meeresklima gibt es nur an der äußersten Westküste von British Columbia und auf Vancouver Island, das die Kordilleren im Winter von der arktischen Inlandsluft abschirmen.
Die Tundraregionen auf dem Festland nördlich der Baumgrenze und die arktischen Inseln haben sehr kalte Winter und nur kurze Sommer, die trotz Mitternachtssonne kaum Mittagstemperaturen von mehr als 20 °C erreichen. Der hohe Norden ist eine arktische Kältewüste, da dort durchweg weniger als 15 cm Niederschläge jährlich fallen. Eine besondere Erscheinung dieser Region und des nördlichen Kanadischen Schildes ist der durch die jahrtausendelange Kältewirkung dauerhaft gefrorene Boden. Der Permafrost kann bis in eine Tiefe von 500 m reichen. Auf ihn gehen die riesigen Sumpfgebiete zurück, in denen das Schmelzwasser nicht versickern kann.