Die Kultur Kanadas.

Im Verlauf einer 400jährigen Siedlungsgeschichte brachten Kolonisten und Einwanderer ihre heimischen Kulturen aus aller Welt mit nach Kanada: die französische und englische vor allem, aber auch die deutsche, ukrainische, irische, asiatische usw. In einer fremden, oft gefahrvollen Welt bewahrten sie ihre Traditionen in Literatur, Musik, Malerei und Architektur als ein Stück Sicherheit und Geborgenheit und entwickelten sie fort. Der Einfluss Frankreichs und Englands dominierte auf kulturellem Gebiet bis zum Zweiten Weltkrieg, in der Folgezeit wurde er vom US-Amerikanischen überflügelt.

Ein stark ansteigendes Wirtschaftswachstum, das die finanzielle Basis für einen Aufschwung der Kultur bereitstellte und Muße ermöglichte, eine neue Einwanderungswelle, die Urbanisierung, ein sich ausbreitendes Verkehrswesen und neue Medien führten nach 1945 dazu, daß Kanada sich jenseits aller Einflüsse von außen auf die Suche nach der eigenständigen Kultur begab, seit 1957 unterstützt durch das von der Regierung finanzierte Canada Council, das Künstler, Ausstellungen und Aufführungen mit Stipendien und Zuschüssen fördert. Viele neue Theater und Konzerthäuser, Museen und Galerien entstanden, das kulturelle Interesse der Kanadier (und dank steuerlicher Erleichterungen für das Mäzenatentum auch zahlreicher Wirtschaftsunternehmen) wuchs vor allem in den 1960er Jahren.

Ob es eine eigenständige „kanadische“ Kultur gibt, wie sie entstehen kann, wie sie sich definiert, darüber findet in Kanada seit vielen Jahren eine intensive und kontrovers geführte Diskussion statt. „Multikulturalismus“ und „kanadisches Mosaik“ heißen die von Kritikern angegriffenen Zielvorstellungen der offiziellen Seite, mit denen verschiedene, im Prinzip gleichberechtigte Kultursegmente bezeichnet werden. Davon gibt es mindestens vier: eine angelsächsische Kultur, eine französische Kultur, eine dritte, die Traditionen aus Rest-Europa, Asien, USA, Afrika und mehr vereint, denen bei aller Verschiedenheit die schnelle Übernahme der englischen Sprache gemeinsam ist und – nicht zuletzt, kann man sie in strengem Sinne doch als die eigentlich „kanadische“ Kultur bezeichnen – die Kultur der Ureinwohner, die seit einigen Jahren eine neue Blüte erlebt.