Die Religionen Kanadas.

Nominell sind 73 % der Kanadier Christen, davon gehören 44 % der römisch-katholischen Kirche an und 29 % einer der zahlreichen protestantischen Kirchen. Von diesen zählen die United Church of Canada, in der Methodisten, Kongregationalisten und ein Teil der Presbyterianer zusammengeschlossen sind (9 %) und die Anglican Church of Canada (6,9 %) die meisten Mitglieder. Mit den Einwanderern des 19. und 20. Jahrhunderts kamen auch andere Religionen in das Land: das griechisch-orthodoxe und das russisch-orthodoxe Christentum, die jüdische Religion, Buddhismus, Islam, Hinduismus und Sikhismus. Ihre Anhänger machen aber weniger als 10 % der Bevölkerung aus. Einige christliche Splittergruppen sind wegen ihrer isolierten, streng religiösen Lebensweise erwähnenswert. Auf der Suche nach Religionsfreiheit kamen im 19. Jahrhundert mehrere vorwiegend anabaptitische (Wiedertäufer-) Gruppen nach Kanada. Bis heute leben sie in oft altväterlicher Art streng nach den Geboten ihres Glaubens, z.B. die Mennoniten in der Umgebung von Kitchener (Ontario) und in Steinbach (Manitoba), die Hutterer südlich und östlich von Calgary und die Mormonen in Cardston (Südalberta).

Kirche und Staat sind zwar offiziell getrennt, doch übte die katholische Kirche in Quebec über Jahrhunderte großen politischen Einfluss aus. Bis 1960 kontrollierte sie das gesamte öffentliche Erziehungssystem. Katholische Werte und Traditionen waren ein fester Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens, vor allem auf dem Land. Als zwischen 1960 und 1966 in Quebec die Liberalen die Regierung stellten, begann sich in der „Revolution tranquille“ („Stille Revolution“) die Macht der Kirche zu verringern. Das Schul- und Erziehungswesen wurde radikal in Frage gestellt, das Sozialsystem erneuert, bei der Besetzung politischer Ämter umging man kirchliche Empfehlungen, die Gesellschaft brach mit einer langen Tradition und befreite sich vom Einfluss des Klerus. Teil dieses Prozesses war der Beginn einer Emanzipationsbewegung unter den Frauen, die ihrer rechtliche und soziale Gleichstellung forderten.